Ideologische Spielwiese
Eines kann man_frau der derzeitigen Frauenministerin Heinisch-Hosek von der SPÖ nicht vorwerfen. Mangelnde Aktivität. Zuerst forderte sie Unternehmen zu bestrafen, die unberechtigte Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern befürworteten, dann kam der Vorschlag der Frauenquote und zwischendurch die Frauenenquete im Parlament. Zudem will sie junge Funktionärinnen in der SPÖ fördern. Alles schön und gut.
Doch irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass die Vorhaben der Frau Minister recht zahnlos sind. Ihre Vorschläge blitzen meist bei den männlichen Kollegen ab. Und dann kommt ein neuer Vorschlag. Zumeist aus der Mottenkiste. Quotenregelungen wurden bereits Anfang der 80er Jahre heiß diskutiert und innerhalb der SPÖ durchgesetzt. Dass sich in den Folgejahren nicht daran gehalten wurde, steht auf einem anderen Blatt. Die Vorhergehensweise halte ich auch für richtig. Zuerst in der eigenen Partei umsetzen, was man_frau für die Gesellschaft fordert. Das verleiht Glaubwürdigkeit.
spruecheklopfer - 9. Nov, 08:31
Endlich mal wieder eine Audi-Max-Besetzung. Endlich wurde der honorige Saal mal wieder zum Symbol und zum Plenum für eine streikende Studierendenschaft ausgewählt. Die Themen sind dieselben wie in den letzten Jahrzehnten. Es geht immer irgendwie um die Qualität der Lehre und um den so genannten freien Hochschulzugang.
Grund genug dem besetzten Auditorium nach langer Zeit meines Abschiedes einen Besuch abzustatten. Er präsentierte sich im neuen Licht, alles mutete professioneller an. Auch die Studierenden schienen anders organisier. Die neuen Medien hatten offensichtlich definitiv Einzug gehalten. Wenn zu meiner Zeit ein/e Studierende/r seinen/ihren Laptop auspackte, wurde er oder sie argwöhnisch beäugt. Aber dies scheint grundsätzlich anders geworden zu sein Die Net- Notenbooks sind Student's Best Friend.
Um mich ein wenig zu orientieren streifte ich die zahllosen Flyer und Hinweisschilder, die mit Tixo an den Seiten des Audi Max angebracht waren.
Ein fotokopierter Zettel mit dem Konterfei von Rudi Dutschke zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich war schon dabei mein Vorurteil, dass seit 1968 sich kaum etwas in der studentischen Protestkultur verändert haben soll, bestätigt zu sehen. Rudi Dutschke und Che Guevara die immergleichen Ikonen der linken Protestbewegung.
Doch der Text ließ mich stutzig werden. Es ging sinngemäß darum, dass immer die gleichen Männer das Wort führten im Plenum indem sie das Mikrophon besetzten. Der/Die Schreiber_in meinte, dass diese Männer sinngemäß sich gerne reden hörten und kaum praktische/sinnvolle Beiträge lieferten. Rudi Dutschke als Sinnbild für den statusorientierten, männlichen Pseudorevolutionär, den ideologischen Dampfplauderer? Wird hier bewusst das Symbol des studentischen Protestes in Europa, der fleischgewordene Messias der 68er in sein Gegenteil verkehrt. Ist Dutschke nur mehr ein Synomym für eine männliche, revolutionäre Pose, die von vorgestern herrscht?
In der Tat: wo sind die weiblichen Ikonen der 68er-Bewegung, wenn wir jetzt einmal von den RAF-Terroristinen absehen. Alice Schwarzer? Schwer zu sagen. Die Ein-Frau-Filiale des modernen deutschen Feminismus kann nicht für alles verantwortlich gemacht werden oder immer als Vorzeige-Feministin herhalten.
Es scheint als sei auch die Protestkultur in Österreich eine männliche. Zumindest war das zu meiner Zeit so. Die Wortführer_innen waren bis auf wenige Ausnahmen Männer. Einige wenige Frauen waren auch dabei. Doch schienen diese ihre männlichen Kollegen und Genossen an Härte und Unnachgiebigkeit noch ausstechen zu wollen. Vielleicht sind deshalbn die Formen über die Jahre erstarrt und so sehr auf Repräsentation, auf Alles oder Garnichts und auf Konfrontation ausgerichtet. Wäre es z.B. denkbar Studium und Protest zu verbinden...Die Aufteilung im Plenum des Audi-Max war fast schon klassisch. Die Moderation wurde von einem Mann übernommen, die Schriftführung von einer Frau.
Wie würde ein Protest ausschauen, der nur von Frauen getragen wird? Würde da nicht die Beziehung im Vordergrund stehen und nicht die Profilierung?
Ein interessantes Gedankenexperiment. Ich bin der unbekannten Schöpferin des Dutschke-Zettels genauf dafür dankbar.
spruecheklopfer - 30. Okt, 11:19
Teile der konservativen, katholischen Kirche - offenbar anglophoner/anglikanischer Prägung - wehren sich gegen Gender Mainstreaming. Dies ist nichts Neues. Jedoch sehen sich einige der geistigen Würdeträger auf einem modernen Kreuzzug gegen diesen Irrglauben namens Gender Mainstreaming, der nicht nur das klassische Familienbild, sondern auch den Schöpfungsgedanken untergrabe. Diese Vehemenz in der Abneigung zu Gender Mainstreaming ist mir neu.
Wie das Internetportal kath.net berichtet
(Link) hätten sich die Vertreter (-innen wird es wohl keine gegeben haben) eins Dritten Ökumenischen Bekenntnis-Kongresses in Bad Gandersheim bei Göttingen gegen Gender Mainstreaming ausgesprochen. Die Terminologie, die da benutzt wurde, verweist durchaus auf jene der Kreuzzüge. Es ist die Rede von Krieg, den man gewinnen müsse usw.
Offensichtlich haben konservative Kreise der katholischen Kirche ein neues Feindbild entwickelt, mit dem sich subtil alle bisherigen Feindbilder und Vorurteile verpacken lassen. Dass z.B. der u.s.-amerikanische Präsident Barack Obama als vehementester Förderer einer Ideologie ausgemacht wird, die es zu bekämpfen gälte, legt für mich die Hypothese nahe, dass unter dem Kampf gegen Gender Mainstreaming chauvinistische, antiprogressive und auch rassistische Ressentiments gefahren werden können. Barack Obama dürfte insbesondere sehr konservativen Kreisen ein Dorn im Auge sein, seit er bei einer Rede in Ägypten auf seinen zweiten Vornamen Hussein verwiesen hat, um somit eine Brücke zum Islam zu schlagen.
Es bleibt nur zu hoffen, dass der in Bad Gandersheim ausgerufene "Krieg" gegen Gender Mainstreaming ein Holzweg bleibt und sich nicht zu einem veritablen Kreuzzug entwickelt.
spruecheklopfer - 14. Okt, 08:49
Es ist ruhig geworden um Eva Hermann. Zumindest in Österreich. Kritiker/innen ihrer Person wurden jetzt sagen:"Und das ist auch gut so." In Deutschland genießt sie noch immer einigen Status. Sie bereist die Städte um ihr Welt- und Menschenbild, vor jenen, die es hören wollen, auszubreiten.
So berichtet das Portal der WAZ "Der Westen"
(zum Artikel) über einen Vortrag, den die ehemalige Fernsehsprecherin vor rund 200 Menschen in Siegen hielt. Die Thesen von Frau Hermann sind noch immer dieselben, mit einer spannenden Variante. Es leuchtet ein katholisch verbrämtes Weltbild durch - und sie nimmt selbst Schuld auf sich, indem sie sich auch als einer jener "bösen, egoistischen Karrierefrauen" darstellt, die sich natürlich verändert hätten.
Interessant finde ich auch den Hinweis der Journalist/innen, dass etliche Menschen im Saal nicht einmal wussten, was "gender mainstreaming" ist - und der Schuldige an der ganzen "Gender Mainstreaming"-Misere sei die "Europäische Union." Sind hier nicht Parallelen zu Österreich erkenntbar? Diffuse Ängste werden in politisch nicht eindeutig bewusste und bekannte Kategorien, wie "Gender Mainstreaming" gepackt und als Wurzel allen Übels und als das Böse ohne Absolutionsmöglichkeit schlechthin dargestellt?
Eva Hermann reiht sich in eine Reihe von "rechtskonservativen" Proponent/innen in Österreich und Deutschland ein, die ihre Kritik an Gender Mainstreaming immer als Kritik am Feminismus, Sozialismus und/oder der Europäischen Union formulieren und den Begriff somit aushöhlen. Frau Kuby geht noch einen Schritt weiter - sie sieht in Gender Mainstreaming eine Art von homosexueller Verschwörung (siehe Beiträge hier im Blog).
In Österreich ist es Barbara Rosenkranz von der FPÖ, die in eine ähnliche Kerbe schlägt, wie Frau Hermann indem sie ihr Hausfrauendasein und Mutterglück überbetont und ganz vergisst, dass sie in gewisser Weise - und Frau Hermann - nach wie vor besonders - dem Karrierefrauenbild, das sie so kritisiert mehr ähneln als ihr wahrscheinlich lieb ist.
spruecheklopfer - 16. Sep, 08:41
Was tut man nicht alles, wenn man vor verschlossenen Pforten steht. Ein kleines Tratscherl zwischen den wartenden Kolleg/innen ist nicht nur ein kleiner Zeitvertreib, sondern es bringt auch Ungeahntes zum Vorschein.
Anlass für den kleinen Plausch war ein Plakat zum Thema Gender Mainstreaming, das von den werten Kolleginnen aufgehängt wurde. Während ich die Meinung vertrat, dass gerade der Hinweis mit der Frau auf dem Baustellenschild eine wunderbare Kampagne initiierte habe, meinte eine Kollegin, dass "sie von Gender Mainstreaming gar nichts halte - und das sage sie als Frau. Es würde - so weiter - den Frauen rein gar nichts bringen."
Da schaute ich doch nicht schlecht über diesen Kommentar. Leider konnte ich das Gespräch nicht vertiefen.
spruecheklopfer - 2. Sep, 09:34
Einige Thesen zur aktuellen Diskussion: Unterschiedliches Einkommen der Geschlechter
(1) Die Einkommensunterschiede zwischen Mann und Frau werden mit ca. 25 Prozent festgesetzt. Dies ist ein Mischwert, der nicht das West- Ostgefälle berücksichtigt. Der Unterschied zwischen Städten und Dörfern geht genauso wenig daraus hervor. Auch werden Karriereverläufe, Berufsgruppen nicht berücksichtigt. Wie viel ist der Unterschied bei Männern und Frauen bei einem Bruttogehalt von 1500 Euro, von 2500 Euro oder von 5000 Euro. Wie sieht es in stark weiblich dominierten Branchen aus? Wie in stark männlichen? Sinkt das Lohnniveau nicht drastisch in Branchen in denen die Mehrheit der Beschäftigten weiblich sind.?
(2) Die Diskussion ist auch auf dem Hintergrund der Armutsgefährdung zu führen. Wie viel muss ein Mensch verdienen, um „über die Runden zu kommen.“ Ein gesetzliches Mindesteinkommen würde tatsächlich einiges an Ungerechtigkeiten bereinigen, vor allem im unteren Lohnsegment.
(3) Die Kommunikation ist in einer globalisierten Welt mit derart vielen Medien nicht sehr einfach. Politische Messages müssen einfach und pauschal formuliert werden, damit sie bei den Zielgruppen ankommen. Dennoch empfinde ich die Diskussion als undifferenziert.
(4) Die Diskussion der Ungleichheiten zwischen Mann und Frau wird stets über den Faktor Erwerbsarbeit und Lohnarbeit geführt. Wie sieht es denn aus mit „Jobs“, die nicht mit einem Entgelt versehen werden, wie etwa die Pflege von Angehörigen (ich meine nicht die Pflegeversicherung), das gemeinnützige Engagement, der Haushalt, sonstige Mehrarbeit, die nicht entlohnt wird (im Handel teilweise beliebt). Warum ist eine ordentliche Grundsicherung noch nicht beschlossen worden?
(5) Maßnahmen, die vollmundig angekündigt werden, werden kaum umgesetzt. Die Frauen/Gehaltspolitik tritt in so manchen Bereichen seit 20 Jahren auf der Stelle. Die Fortschritte sind minimal. Auch der aktuellen Frauenministerin fehlt die Durchsetzungskraft. Sie kündigt an einem Tag an Unternehmen bestrafen zu wollen, die unterschiedliche Gehälter bei gleicher Qualifikation und gleicher Arbeit auszahlen. Nach Unterredung mit dem Wirtschaftsminister ist davon keine Rede mehr. In einer Fernsehdiskussion (Report, vom 30. 06. 2009) betonte der Chef des Managementclubs Herbert Paierl, dass man(n) ohnehin gegen Gehaltsunterschiede entlang der Geschlechteraxe seien; man(n) lehne jedoch Bestrafungen ab (nona net!), sondern wünsche sich Förderungen. Frauenministerin Heinisch-Hosek reagierte medial entzückt über diese Äußerungen. Förderungen ist im orwellschen Wirtschaftsneusprech ein Synonym für Kapital – entweder in direkter Form von Subventionen oder in indirekter Form über Preise, Auszeichnungen etc. (=indirektes Kapital). Meine These ist: Eine Frauenministerium kann nur dann etwas umsetzen, wenn es direkt an das Wirtschafts- oder Finanzministerium gekoppelt ist – oder zumindest das unbedingte Wohlwollen des Finanzministeriums hat. Ansonsten bleibt die Frauenministerin – und ich denke nicht nur in Österreich – eine ständige Bittstellerin beim Finanzministerium. Die Wirtschaft macht die Musi', auch in der Politik.
(6) Die gesellschaftliche und politische Defintionsmacht liegt nach wie vor stark bei den Männern. Aktuell besetzen gerade Doris Bures (SPÖ) und Maria Fekter (ÖVP) ein Ministerium, das man/frau als entscheidend und wichtig sehen könnte; Bures steht einem Ministerium vor, das jedoch nicht mehr das Schwergewicht ist, das es einmal war. Bei zunehmender Privatisierung der Netzwerke wird gerade das Infrastrukturministerium weniger. Maria Fekter scheint als Innenministerin sich den Spitznamen „eiserne Lady“ verdienen zu wollen. Sie bevorzugt die harte Gangart. Wie viele der Ministerien sind mit einer Frau besetzt. In Österreich sind es gerade einmal 5 von 14.
(7) Den weiblichen Beschäftigen weniger Lohn zu zahlen ist doppelt diskriminierend: (1) weil es im Widerspruch zum Leistungsprinzip steht, das der Kapitalismus so gerne vor sich her trägt. (2) gesellschaftliches Ansehen und Einkommen in einer Wechselwirkung stehen. Weniger Geld bedeutet weniger gesellschaftliche Anerkennung, weniger gesellschaftliche Anerkennung bedeutet in den meisten Fällen auch weniger Geld. Ein teuflischer Zirkel aus dem nur sehr schwer auszubrechen ist.
(8) Etliche Antidiskriminierungsmechanismen, wie das Ausschreiben von Stellen in geschlechtsneutraler Weise, führen definitiv zu versteckten Diskriminierungen und zu einem unnötigen Bewerbungsaufkommen. Die Antidiskriminierungsmechanismen am Arbeitsmarkt (über das Geschlecht hinausgehend – Stichwort Diversität) sind totes Recht. Hieraus ergeben sich zwei Möglichkeiten: (1) zurück zur diskriminierenden Ausschreibungspraxis nach dem Prinzip „Wer zahlt, schafft an“ und niemand darf sich beschweren oder (2) hin zu einer nachdrücklichen Durchsetzung bestehender Antidiskriminierungsmechanismen bei gleichzeitigem Ausbau der bestehenden Gesetze.
To be continued...
spruecheklopfer - 3. Jul, 15:55
Die FPÖ gibt sich in Sachen Gender Mainstreaming ausnahmsweise einmal zahm. Eine diesbezügliche Presseaussendung liest sich durchaus vernünftig. Man staunt, dass Gender Mainstreaming und Gleichbehandlung einmal nicht als Schwulenideologie abgetan werden. Außer mit dem Grundsatz, dass das Geschlecht eine biologische und eine kulturell/sexuell/sozial konstruierte Seite verfügt, scheint es keinen Widerspruch zu geben. Und dennoch, was sich so verständnisvoll liest, birgt Einiges in sich:
Zitat: "Unterreiner betonte die Meinung der Freiheitlichen, wonach es gelte die Unterschiede zwischen Frauen und Männern anzuerkennen, ohne davon Rechte und Privilegien abzuleiten: "Unsere Einstellung zur Gleichberechtigung fußt auf der Idee der Partnerschaft zwischen Frauen und Männern im privaten wie im beruflichen Bereich, die sich auf Liebe und Achtung begründet.""
Der Begriff der "Partnerschaft" war Bestandteil der SPÖ-Gleichbehandlungspolitik (Frauenpolitik) der 70er und frühen 80er Jahre. Die Frau als vollwertige Partnerin des Mannes zu sehen war sicher in jener Zeit ein absoluter Fortschritt. Heute kann dieser Begriff nur mehr losgelöst von "Liebe und Achtung" auf der einen Seite und zwischen Mann und Frau auf der anderen Seite (Frau und Frau, Mann und Mann, Transgender sind auch zu denken) gesehen werden Hier spielt das heterosexuelle konservative Weltbild der FPÖ deutlich hinein, wenn auch in einer schönen Verpackung.
Die Forderung, dass mehr Männer in Volksschule und Kindergarten arbeiten sollen, ist nicht neu. Das Problem ist bestens bekannt (googlen hilft). Die FPÖ springt also auch hier wieder auf einen fahrenden Zug auf, nur um sich erneut und zum wiederholten Male "als Männerpartei" zu präsentieren.
Bemerkenswert ist jedoch folgender Satz:
Wien (OTS) - "Es ist selbstverständlich, dass niemand aufgrund des Geschlechts, der ethnischen Zugehörigkeit, der Religion oder der Weltanschauung, des Alters oder der sexuellen Orientierung diskriminiert werden darf", erwähnt FPÖ-NAbg. Mag. Heidemarie Unterreiner eingangs ihrer heutigen Rede im Nationalrat. Die dafür vorgesehenen Strategien, diese Vorgaben zu erreichen seien jedoch "langfristig untauglich und daher abzulehnen".
Hin und wieder frisst der Wolf doch Kreide oder steckt zumindest im Schafspelz.
Quelle:
OTS-Aussendung der FPÖ
spruecheklopfer - 25. Jun, 07:37
In einem Beitrag auf www.freiewelt.de - ein Magazin, das- so hoffe ich das richtig verstanden zu haben, sich für Bürgerbeteiligung und Zivilgesellschaft einsetzt - habe ich erneut einen merkwürdigen Beitrag zum Thema "Gender Mainstreaming" gelesen.
Die Kernaussage "Gender Mainstreaming" ist ein schleichender Prozess und komplett unnötig. Gender Mainstreaming wäre sogar eine "aggressive" Ideologie. Auch die Definition der Autorin erscheint mir sehr spannend:
"Gender Mainstreaming basiert im Wesentlichen auf dem Feminismus und der Homosexuellenbewegung. Es geht darum, den natürlichen Unterschied zwischen Mann und Frau in Frage zu stellen, und gar zu leugnen. Wie ist das mit dem Grundgesetz vereinbar? Gläubige, Atheisten, Feministen, Homosexuelle, Menschen aus anderen Ländern usw. sind alle im Grundgesetz geschützt. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Deshalb ist Gender Mainstreaming völlig überflüssig."
Ein Denken in heterosexuellen Entweder-Oder-Kategorien lässt sich aus diesem Beitrag heraus lesen. Ein Drittes ist nicht möglich, weil nicht "natürlich". Argumentationen dieser Art sind weder frei noch aufgeklärt, sondern einfach am aktullen Forschungsstand und Wissensstand vorbei." Und auch wenn Minderheiten prinzipiell durch das Grundgesetz oder die Verfassung geschützt sind, heißt das noch lang nicht, dass es keine Diskriminierung gibt.
In diesem Forum habe ich schon mehrere Beiträge dieser Art "vorgestellt". Schon langsam wird die Sache besorgniserregend.
Link zum vollständigen
Artikel
spruecheklopfer - 17. Jun, 13:27
...wollen die Kleinen auch meistens sein. Bei den derzeitigen Wahlkämpfen der FPÖ verwundert es auch nicht, dass der Ring freiheitlicher Studenten (explizit nicht Studentinnen und Studenten) mit ähnlichen Sprüchen operiert:
"Was tut man uns Studenten an?"
Gender-Wahn & Gio Hahn"
lautet einer der Plakatslogans. Der Standard fand die Sprüche der ÖH-Freiheitlichen auch schon zitronenwürdig. Da die Freiheitlichen nichts Positives anzubieten haben, kommen sie halt mit dem Genderthema. Die Technik ist bekannt. Dem Thema "Gender" haftet eigentlich immer das Parfum "Obsolet" an; die Freiheitlichen sehen es als Mittel ihre antifeministischen Ressentiments in der so genannten Genderkritik zu verpacken.
Das wundert kaum, in einer Partei, in der Frauen nicht wirklich Machtpositionen besetzen oder wie Frau Winter durch vollkommen daneben gegriffene Aussagen auf sich aufmerksam machen.
Noch "spannender" ist der Spruch "Wir holen dich da raus." Zusatz: "ÖH-Zwangsmitgliedschaft abschaffen, Beitragsmissbrauch stoppen." Der Spruch ist in übelster Weise geklaut. Ich sage nur: Lesen Sie den Falter. Aber so sind sie halt, die Freiheitlichen. Lieber schlecht klauen, als noch schlechter selbst machen und immer schön draufhauen.
spruecheklopfer - 26. Mai, 11:13
Der internationale Frauentag bricht heran. Und mit diesem "Stichtag" wird eine große Anzahl an Studien veröffentlicht, die z.B. erheben, dass Frauen nach wie vor deutlich weniger verdienen als Männer, dass sie überdurchschnittlich in Teilzeit arbeiten und vieles Andere mehr. Zusätzlich werden etliche Veranstaltungen rund um diesen Frauentag geplant und durchgeführt, die sehr stark dasselbe Ziel verfolgen: Sprich die Ungleichheit zwischen Mann und Frau zu betonen, zu kritisieren.
Für mich stellt sich jedoch die Frage, ob ein derartiges Engagement um den Frauentag nicht bestehende Ungleichheiten zementiert. Ist das Überbetonen des "Internationalen Frauentages" nicht auch in gewisser Weise diskriminierend, vor allem auch in Hinblick auf den eher traditionell ausgerichteten Muttertag. Für mich steht der Muttertag in seltenem Widerspruch zum "Internationalen Frauentag", werden doch besonders am Muttertag alte Rollenbilder zementiert. Die Mama wird ins Ausflugslokal ausgeführt und bekommt als Geschenk ein paar Blümchen. Mann ehrt die Mutter als Mutter. An diesem Tag fällt die Doppelbelastung weg. Am nächsten Tag wird sie wieder da sein. Schluss mit lustig.
Feste soll man/frau feiern, wie sie fallen. Aber sollte nicht gerade jeder Tag Frauen und Männertag sein? Ist es notwendig einen solchen "Internationalen Frauentag" zu begehen? Ja, ist es Es ist notwendig zumindest einen Tag zu haben, an dem Ungleichheiten deutlich gemacht werden. Auch um den Preis, dass die Sonderstellung der Frauen an diesem Tag natürlich auch eine Form der Diskriminierung darstellt. Der internationale Frauentag ist eine Art Stichtag und Barometer. Zum Feiern gibt es eigentlich am Internationalen Frauentag nichts.
spruecheklopfer - 4. Mrz, 08:50